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Messtechnik
Sachverständige/Physiker/Messtechniker
Technische Richtlinie vom 20.02.2010 R
Revidiert am 11.02.2015
Anleitung zur Mauerpotentialmessung
bzw. zum Wirktest
Grundlagen
Alte feuchte Gemäuer erzeugen ein messbares elektrisches Mauerpotential (Synonym:
Strömungspotential, Potential, Potentialdifferenz, Spannungspotential etc.), welches durch das Aufsteigen des Elektrolytes Bodenfeuchte (verunreinigtes Wasser) an den Kapillarwänden von porösen Baustoffen entsteht. Dieses Potential wird in der Literatur mit einer Größenordnung von ca. 100 mV und 900 mV angegeben, wobei die eine Messsonde im oberen feuchten Mauerwerk, die andere im Erdreich installiert ist.
In der Baupraxis wurden bei Aquapol seit 1985 in über 50.000 Anwendungen beide Messsonden im Mauerwerk verankert. Der gemessene Messwertbereich wird dadurch aber geringer (ca. 50–300 mV).
Im feuchteren Erdreich bzw. Fundament bildet sich der Pluspol – im oberen Bereich der noch feuchten Mauer der Minuspol des elektrischen Mauerpotentials (􀃆 Abb. 1).
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TRLR_100220_Anleitung-zum-Wirktest_Sachverstaendige_1502_FE-41.doc
Diese kleine Spannung können wir mit einem sehr hochohmigen Voltmeter in Kombination mit Messelektroden messen. Das Vorzeichen des Messergebnisses zeigt uns die Bewegungsrichtung der Feuchtigkeit an, wenn zur Erde gemessen wird. Bei der baupraktischen Messung (nur Sonden im Mauerwerk) kann das Mauerpotential auch ein negatives Vorzeichen haben (1/3 bei der internen Studie von 532 ausgewerteten trockengelegten Objekten 􀃆 Lit 2), da nicht direkt zum Erdpotential gemessen wird.
Wenn diese Minimalspannung von 50–300 mV unterschritten wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass energetische Systeme wie Aquapol nicht entfeuchtend wirken können.
Wenn wir nun ein Aquapol-Gerät montieren, sollte eigentlich die Strömungsrichtung der Feuchte im Mauerwerk verändert werden. Und das tut sie auch, wenn nicht physikalische oder chemische Risikofaktoren dies verhindern (siehe auch Beilagen).
Schlechte, pH-Wert-unfreundliche, extrem versalzene Putze – z. B. wie Zementputz auf Ziegelmauerwerk (hohe pH-Wert-Differenz), Kurzschlüsse im Mauerwerk (z. B. Bewährungseisen) oder im Putz (z. B. Rabitzgitter, Ziegelgewebe aus Draht etc.) zählen zu diesen Ursachen 􀃆 Lit 4.
Wirktest-Messpunkte
Um also gute Wirktests erzielen zu können, sollten der oder die Messpunkte folgende Kriterien erfüllen:
• Nur an Mauerbereichen, die kapillar durchfeuchtet sind (innere Feuchtesteighöhe > 50 cm).
• Am besten dort, wo keine oder nur natürliche Putze (Kalk) vorhanden sind.
• Die Messstelle muss außerhalb des Bodenenergie-Ansaugbereiches (= Ansaugzone) des Aquapol-Systems sein (min. 4 m vom System entfernt bei 2 m Standhöhe 􀃆 Abb. 2).
• In oder an der Wand sollten keine Rohre, Elektroleitungen, Metalle etc. sein. Von elektrischen Leitungen sollte ein Mindestabstand von 1 m gewählt werden. Elekoder eigener
Erdspieß
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TRLR_100220_Anleitung-zum-Wirktest_Sachverstaendige_1502_FE-41.doc
trische Leitungen erzeugen ein Wechselfeld, das zum Teil in ein Gleichfeld umgewandelt wird und somit das Mauerpotential wesentlich beeinflusst (feuchte Mauer wirkt elektrophysikalisch wie eine Diode und richtet den Wechselstrom tw. gleich) 􀃆 Lit 4.
• Sendemasten (z. B. Mobilfunkmasten) sollten weit genug weg sein. Ein starkes Schwanken des Mauerpotentials z. B. +/- 20–30mV signalisiert eine Einkopplung von Wechselfeldern. So eine Mauer ist für die Potentialmessung nicht sehr gut geeignet.
Standort des Aquapol-Gerätes
Um eine Funktion des Systems zu gewährleisten sind folgende Punkte zu beachten:
• Das Gerät am besten an der Decke aufhängen (oder im Pilot-Feldversuch 2015 an einer Stange), wobei die Ansaugzone frei sein sollte von großen ferromagnetischen Stoffen, Haushaltsgeräten (wegen Wicklungen) und Flüssigkeiten.
Die Standhöhe sollte min. 2,0 m, max. 2,5–3,0 m betragen. Der Standort sollte am besten auf gleichem oder niedrigerem Geschoßniveau (EG od. KG) als der Messpunkt für die Reaktionsmessung sein.
• Das Gerät sollte mit Sonnenschutz auch außen (am Gang eines Hauses) angebracht werden, wobei es nicht schaukeln sollte (Windschutzfestigkeit).
• Mindestens 5 m von DECT-Basisstationen, WLAN-Systemen oder anderen Funksystemen entfernt aufhängen (Funk-Alarmsysteme sind kein Problem)
• Gerät muss geerdet werden.
Messvorgang
1. Bohren Sie die zwei Löcher Ø 10 mm für die Messsonden folgendermaßen: Das untere so tief wie möglich in die Mauer (eventuell schräg nach unten bohren) und mind. 5–8 cm tief. Auf jeden Fall muss das Loch tiefer als der Putz sein.
• Das obere Loch sollte mind. 50 cm über dem unteren Loch sein, und muss noch im feuchten Bereich der Mauer (nicht Verputzbereich!) sein (wieder min. 5–8 cm tief, tiefer als Putz, da Steighöhe in Putz und Mauer oft unterschiedlich).
• Beachten Sie die Punkte am Anfang der Richtlinie (Grundlagen).
2. Stecken Sie die Messsonden ins Mauerwerk und achten Sie auf einen guten und festen Sitz; es muss eine gute elektrische Verbindung mit diesen hergestellt werden.
Als optimale Sonden haben sich die von uns entwickelten „Spreizsonden“ bewährt, weil der Anpressdruck der Spreizvorrichtung immer stark eingestellt ist – womit der Übergangswiderstand minimiert wird – und für die max.
1- bis 2-stündige Verweildauer der Sonden im Mauerwerk mechanisch stabil bleibt 􀃆Lit 5.
Vergleich: Die Bürstensonden von der Fa. GANN sind nach einigen Messungen unbrauchbar und verlieren vollständig den Anpressdruck, wodurch der Übergangswiderstand steigt und die Messergebnisse unbrauchbar werden.
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TRLR_100220_Anleitung-zum-Wirktest_Sachverstaendige_1502_FE-41.doc
3. Verbinden Sie die untere Sonde (Plus-Pol) mit der roten Buchse „V“ rechts oben am Multimeter (􀃆 Bild rechts).
4. Verbinden Sie die obere Sonde (Minus-Pol) mit der schwarzen Buchse „COM“ in der Mitte des Multimeters (􀃆 Bild rechts).
5. Schalten Sie das Multimeter ein und drehen Sie den Wahlschalter auf den Bereich 2000 mV (= ca. 1 Uhr am Multimeter) 􀃆Lit 5.
6. Lesen Sie den Wert innerhalb von 3 Sekunden ab und notieren Sie diesen. Falls der Wert ständig auf und ab läuft, kann Elektrosmog in der Nähe des Messkreises die Ursache sein. In diesem Fall schreiben Sie den Mittelwert nieder.
7. Nachdem Sie den Wert haben, öffnen Sie den Messkreis, indem Sie einen Stecker vom Messgerät abziehen (egal welchen). Dadurch verhindern Sie, dass die Spannung im Mauerwerk abfällt, da das Messmittel (= Messgerät) Energie abzieht. Das Aquapol-Multimeter, welches auch ein Voltmeter inkludiert, hat einen um etwa eine Zehnerpotenz höheren Eingangswiderstand als die gängigen Multimeter (siehe Anlage) und „zieht daher weniger Energie ab“ 􀃆Lit 5.
ACHTUNG: Die Sonden in der Mauer dürfen nicht bewegt werden, weil sich sonst der Kontaktwiderstand etwas verändert und die Messung dann verfälscht!!! Schalten Sie einfach das Messgerät aus.
8. Hängen/stellen Sie nun das Gerät auf und beachten Sie die Punkte oben (Standort). Warten Sie nun mindestens 60 Minuten, damit das Aquapol-Wirkfeld in der Mauer einwirken kann.
9. Schalten Sie nun das Messgerät wieder ein und schließen wieder den Messkreis.
Beachten Sie nun den Messwert! Sollte der Messwert schwanken, notieren Sie wieder den Mittelwert.
10. Sie können dazu das Aquapol-Wirktest-Messprotokoll lt. Beilage benutzen 􀃆 Lit 1.
Generelles zu den Messwerten
In 2/3 der Fälle bei der internen Studie haben Sie nach einer gewissen Zeit eine Spannungsumkehr im Mauerwerk, d. h. die Bewegungsrichtung der Mauerfeuchte hat sich umgedreht bzw., genauer gesagt, die Messwerte werden negativer 􀃆 Lit 2.
Beispiel: +35 mV wird zu -20 mV, Es kommt jedoch auch vor, dass der Messwert positiver wird, z. B. von +120 mV auf +180 mV. Das liegt daran, dass die untere Messsonde nicht im feuchten Erdreich sitzt (􀃆 Abb. 1).
Die interne Studie im Anhang zeigt, dass Sie die zu erwartenden Reaktionen nach etwa
1 Stunde erkennen können 􀃆 Lit 3.
Die Veränderung liegt bei ca. 1/3 überwiegend bei unter 50 mV/Stunde.
Bei etwas mehr als 1/3 zwischen 50–100 mV/Stunde mit unterschiedlichen Vorzeichen.
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TRLR_100220_Anleitung-zum-Wirktest_Sachverstaendige_1502_FE-41.doc
Bei dieser internen Studie wurden 532 trockengelegte Objekte aus Österreich ausgewählt und die am Anfang durchgeführten Mauerpotentialmessungen vor der Montage und etwa 0,5 bis 3 Stunden nach der Montage ausgewertet.
Tabellen – mit Kundennummern – liegen zwecks Verifikation in der Zentrale auf.
Wichtig ist, dass eine signifikante Veränderung der Spannung bewirkt wird und somit eine Reaktion hervorgerufen wird. Bis wann sich die Mauerfeuchte reduziert, steht in einem anderen Kapitel.
Ing. Wilhelm MOHORN
Firmengründer
in Kooperation mit
Ing. Martin Mörtinger
Messtechniker
Beilagen:
Lit 1 WTP – Wirktest-Protokoll
Lit.2 Grafik Interne Studie 2010 – Veränderung des Potentials „Wie viele Ergebnisse veränderten sich positiv und wie viele
negativ?“
Lit 3 Grafik Interne Studie 2010 – Veränderung des Potentials „Übersicht der Verteilung der Veränderung der Messwerte in
mV/Stunde“
Lit 4 Ein gemeinsamer Nenner aller feuchten Altbauten – Zitate aus Wissenschaft, Forschung und Technik
Lit 5 Beiblatt Messgeräte und Messsonde